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Februar: Dominic Bresser (KIT-HIU)

Dominic Bresser promovierte am MEET Batterieforschungszentrum in Münster. Seit 2020 leitet er die Forschungsgruppe „Electrochemical Energy Storage Materials“ am Helmholtz-Institut Ulm. Im Jahr 2022 erhielt er den renommierten ERC Starting Grant für die Entwicklung neuartiger Elektrodenmaterialien vom Europäischen Forschungsrat. Wir haben mit ihm über seine Forschung und seine Motivation gesprochen.

Interview:

Woran arbeitest du gerade?

Dominic Bresser: Meine Gruppe und ich befassen uns mit der Erforschung von elektrochemischen Energiespeichern. Der Fokus unserer Arbeiten liegt hierbei auf der Entwicklung neuer und der Verbesserung bereits existierender Elektrodenmaterialien und Elektrolytsysteme für Lithium- und Natrium-Batterien sowie verwandter Energiespeicher-Technologien. Das Ziel ist insbesondere, die Entwicklung eines tiefergehenden Verständnisses der zu Grunde liegenden Mechanismen und Prozesse, die die reversible Speicherung der Ladungsträger und deren Transport im Elektrolyten ermöglichen und bestimmen. Auf diese Weise kombinieren unsere Arbeiten elementare Grundlagenforschung, gefördert bspw. durch die DFG, private Stiftungen und einen ERC Starting Grant, mit sehr angewandter Forschung, gefördert und finanziert u.a. durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und verschiedene Industrieunternehmen. Das Ziel ist dabei immer, die elektrochemischen Energiespeicher als Ganzes zu verbessern.

Was treibt dich persönlich an?

Dominic Bresser: Batterien spielen eine zentrale Rolle für eine erfolgreiche Energiewende hin zu einer nachhaltigeren Zukunft – für uns und folgende Generationen. Dafür braucht es jedoch stetige Verbesserungen der bereits sehr erfolgreichen Speichertechnologien sowie die Entwicklung neuer Technologien. Das betrifft die Energie- und Leistungsdichte, genauso wie die Kosten und Nachhaltigkeit der Batterien. Hieran mitwirken zu dürfen, ist ein zentraler Beweggrund für mich. Dazu kommen die schlichte wissenschaftliche Neugier, das Bedürfnis, Dinge besser verstehen zu können, und die Möglichkeit, mit vielen exzellenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der ganzen Welt zusammenarbeiten zu dürfen, sowie nicht zuletzt die tägliche Arbeit mit den Studierenden, Doktoranden und PostDocs, für die ich sehr dankbar bin.

Welche Herausforderungen siehst du für dich in der nächsten Zeit?

Dominic Bresser: Eine der zentralen Herausforderungen ist ein erfolgreiches Zeitmanagement. Meine Gruppe ist in letzter Zeit sehr gewachsen und es kommen kontinuierlich neue Aufgaben hinzu. Diese alle zufriedenstellend zu erfüllen und gleichzeitig möglichst allen gerecht zu werden, ist nicht immer leicht; in diesem Zusammenhang bin ich meinen Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar für deren Verständnis, wenn es einmal länger dauert.

Was würdest du dir für deine Forschung in Zukunft wünschen?

Dominic Bresser: Mit Blick auf den großen Erfolg von Lithium-Batterien sowie in zunehmendem Maße auch von Natrium-Batterien wird eine der zentralen Herausforderungen der Spagat zwischen bzw. die Kombination von Grundlagenforschung und angewandter Forschung sein. Während es wichtig ist, dass sich die akademische Forschung hier an zentralen Fragestellungen der Industrie orientiert, sollte immer auch die Möglichkeit bestehen, ein tiefergehendes Verständnis der Materialien und Mechanismen zu entwickeln und explorativ neue Materialien und Technologien zu erforschen, denn wir wissen häufig nicht, was vielleicht in 10, 20 oder 30 Jahren möglich sein wird. Viele sehr erfolgreiche Technologien basieren auf zunächst nicht vorstellbaren wissenschaftlichen und technologischen Durchbrüchen – und diese sind herausragenden Wissenschaftlern und Ingenieuren zu verdanken, die die Arbeit an diesen Themen nie aufgegeben haben, auch wenn häufig nicht klar war, ob der Sprung in die kommerzielle Anwendung eines Tages gelingen würde.

Wo siehst du deine Disziplin in 5-10 Jahren?

Dominic Bresser: Die Batterieforschung ist bereits sehr interdisziplinär und ich gehe davon aus, dass dies in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen wird – alleine schon, weil es notwendig ist, um die aktuellen Materialen und Technologien zu verbessern und neue zu entwickeln. Grundsätzlich, denke ich, wird dies eine stetige Entwicklung sein, wie auch die Verbesserung der Batterie-Technologien als solche mit Blick auf die kommerziellen Systeme eher einem linearen Verlauf entspricht; anders als der antizipierte, nahezu exponentiell ansteigende Bedarf an effizienten und leistungsstarken Batterien für die verschiedensten aktuellen und zukünftigen Anwendungen.

ORCID: 0000-0001-6429-6048