Workshop 2025 - Wissenschaft wirksam kommunizieren
Capacity Building für den Science-Policy Dialog
Wie können Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse so vermitteln, dass sie in politischen Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden und dadurch wirksam werden?
Diese Frage stand im Mittelpunkt eines zweitägigen Workshops von Helmholtz Energy – und zeigte eindrucksvoll, wie komplex, aber auch wie relevant der Austausch zwischen Forschung und Politik heute ist.
Politische Entscheidungsprozesse verstehen, Energiepolitik einordnen
Zum Auftakt führte Workshop-Leiter Tome Sandevski in die Mechanismen politischer Entscheidungsprozesse ein. Er erläuterte, wie Expertise in Gesetzgebungsprozesse einfließt, welche Kommunikationswege dafür offenstehen und welche Rolle die Energiepolitik in diesem Gefüge spielt. Sein zentrales Anliegen: Wissenschaftliche Ergebnisse entfalten nur dann Wirkung, wenn Forschende die Logik politischer Abläufe berücksichtigen.
Um dies praktisch nachzuvollziehen, bearbeiteten die Workshop Teilnehmenden Übungen, in denen sie unterschiedliche Studien und Stellungnahmen analysierten – und so die Methodik hinter Science Policy-Prozessen vertieft kennenlernten.
Die Rolle von Think Tanks und Verbänden an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik
Wie dieser Austausch in der Praxis funktioniert, zeigte die anschließende Panelrunde „Science Policy: Stakeholder-Perspektiven aus der Politikberatung“. Vertreter und Vertreterinnen aus Think Tanks und Verbänden – darunter Manuela Pieper (Verband der chemischen Industrie), Katharina Hartz (Agora Energiewende), Frederik Digulla (Stiftung Klimaneutralität) und Simon Vogelsang (Stiftung KlimaWirtschaft) – erlaubten einen seltenen Blick hinter die Kulissen ihrer Arbeit.
Sie beschrieben, wie sie politische Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen informieren, welche Formen der Kommunikation besonders wirksam sind und welche Erwartungen politische Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen an wissenschaftliche Expertise stellen. Gemeinsam diskutierten sie, an welcher Stelle wissenschaftliche Erkenntnisse in den politischen Prozess überhaupt einfließen können – und wann und wie sie dort am dringendsten gebraucht werden.
Politische Praxis bei Helmholtz: Von Hintergrundgesprächen bis EU-Gremien
Der zweite Tag rückte die politische Arbeit bei der Helmholtz-Gemeinschaft selbst in den Fokus. Im Panel zur „Politischen Arbeit in Helmholtz“ schilderten Rutger Schlatmann (HZB), Katharina Sielemann (Helmholtz SynCom), Theresa Volkmer (Helmholtz-Geschäftsstelle Berlin) und Julia Hahn (KIT) ihre Erfahrungen im politischen Umfeld.
Sie berichteten von vertraulichen Hintergrundgesprächen mit Abgeordneten, von parlamentarischen Veranstaltungen in Brüssel und Berlin sowie von ihrer Arbeit in verschiedenen wissenschaftlichen Beratungsgremien. Auch die Rolle des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag kam zur Sprache. Die zentrale Frage für die Workshop-Teilnehmenden lautete dabei: Wie können wir unsere eigenen Forschungsergebnisse möglichst zielgenau einbringen – und wo finden wir dabei Unterstützung?
Wie Politik tickt – direkt aus den Institutionen
Ein drittes Panel holte abschließend die Perspektive politischer Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen an den Tisch. Simon Straub (Bündnis 90/Die Grünen), Rodoula Tryfonidou (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) und Henrik Dornseifer (Mitarbeiter des Deutscher Bundestages) sprachen offen darüber, wie politische Arbeit im Alltag aussieht und wie wissenschaftliche Expertise darin eine Rolle spielt.
Sie erläuterten unter anderem, in welchen Formaten wissenschaftliche Erkenntnisse genutzt werden zu welchem Zeitpunkt im politischen Ablauf Fachinformationen am wirkungsvollsten sind und welche Anforderungen an die Aufbereitung wissenschaftlicher Ergebnisse gestellt werden.
Fazit: Wissenschaft braucht politische Anschlussfähigkeit
Die zwei Tage zeigten eindrücklich, wie groß das Interesse an einem wirksamen Austausch zwischen Wissenschaft und Politik ist – und wie viel stärker Forschung wirken kann, wenn sie politische Abläufe versteht und strategisch darauf eingeht. Für die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von Helmholtz Energy bot der Workshop nicht nur grundlegende Kenntnisse und praxisnahe Werkzeuge für eine wirkungsvolle Kommunikation, sondern verdeutlichte auch, wie zentral ihr Engagement für eine Energiepolitik ist, die sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert.
Núria González & Andrea Meyn
Organisatoren des Workshops